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Mai, Juni, Juli – ein leiser Sommerroman aus Lappland

Manchmal greift man zu einem Buch und erwartet einfach nur eine leichte Sommergeschichte. Ein bisschen Schweden, ein bisschen Natur, vielleicht eine kleine Liebesgeschichte.

Und manchmal überrascht einen genau so ein Buch mit viel mehr Tiefe, als man zunächst vermutet.


So ging es mir mit Mai, Juni, Juli von Hiltrud Baier.


Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. Dieses Wasser, die Ruhe, die nordische Stimmung. Es verspricht genau das, was ich an Sommerromanen liebe: Natur, Weite und dieses Gefühl, für ein paar Stunden gedanklich nach Schweden zu reisen.


Im Mittelpunkt steht Linn, eigentlich Linnea Lindblad. Mit Ende dreißig hat sie scheinbar alles erreicht: Sie ist erfolgreiche Sterneköchin in Göteborg, bekannt aus dem Fernsehen und lebt das Leben, von dem viele träumen. Und trotzdem ist da diese tiefe Erschöpfung, die sie schon lange begleitet. Sie trägt ein Trauma mit sich herum, das sie nie wirklich verarbeitet hat.


Also fährt sie zurück in den Norden, nach Lappland, an die norwegische Grenze, dorthin, wo sie vor 25 Jahren den letzten Sommer mit ihrer Mutter verbracht hat. Sie macht sich auf die Suche nach einer kleinen Insel ihrer Kindheit, nach Erinnerungen, nach Antworten und vielleicht auch nach sich selbst.


Gerade dieser Gedanke hat mich sehr berührt: den Spuren der eigenen Kindheit nachzugehen, dem letzten Sommer mit der Mutter nachzuspüren und an einen Ort zurückzukehren, der vielleicht mehr über einen selbst weiß, als man lange glauben wollte.


Zu Beginn war ich ehrlich gesagt etwas unsicher. Die ersten Seiten wirkten auf mich fast ein wenig zu glatt, fast schon wie klassische seichte Sommerlektüre. Schön, aber vielleicht ohne großen Nachhall. Doch dann mausert sich das Buch.


Mit jeder Seite wird deutlicher, dass hier viel mehr erzählt wird als nur eine kleine Auszeit im Norden. Es geht um Verlust, um Erschöpfung, um alte Wunden und darum, wie schwer es manchmal ist, sich selbst wiederzufinden, wenn man jahrelang einfach nur funktioniert hat.


Besonders mochte ich die vielen kleinen kulinarischen Momente. Die Auszüge aus Rezeptideen, das Sammeln von Beeren, Kräutern und Früchten des Waldes, kleine einfache Speisen und dieses Kochen mit dem, was die Natur gerade schenkt. All das macht den Roman unglaublich atmosphärisch.


Gerade diese Szenen haben mir besonders gefallen, weil sie so still und ehrlich wirken. Nicht das perfekte Sternerestaurant steht im Mittelpunkt, sondern das Einfache. Das Ursprüngliche. Das Kochen draußen, das Sammeln im Wald, das Leben im Rhythmus der Natur.


Auch die Beschreibungen des kleinen Dorfes, der Wälder, Seen und dieser stillen nordischen Weite haben das Buch für mich besonders gemacht. Lappland ist hier nicht nur Kulisse, es trägt die ganze Geschichte.


Und gerade als Linn beginnt anzukommen, als sie merkt, dass sie das Restaurant in Göteborg gar nicht vermisst, sich langsam an dieses ruhigere Leben gewöhnt und sogar drauf und dran ist, sich zu verlieben, wird sie erkannt. Plötzlich holt sie ihr altes Leben wieder ein.


Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieses Romans: Dass man sich selbst nicht einfach zurücklassen kann. Dass Heilung nicht nur im Weglaufen liegt, sondern im bewussten Hinschauen.



Mai, Juni, Juli ist kein lauter Roman. Es ist ein stilles Sommerbuch. Eines, das langsam wächst. Eines, das man am besten draußen liest, mit einer Tasse Kaffee, Sonnenlicht auf der Terrasse und dem Wunsch, selbst für eine Weile nach Schweden zu verschwinden.


Für mich ist es ein leichter Sommerroman mit deutlich mehr Tiefe, als ich anfangs erwartet hatte.

Ein Buch über Abschied, Neuanfang, Waldbeeren, kleine Küchen und große innere Wege.

Und genau deshalb mochte ich es am Ende doch.


Ein stilles Sommerbuch für alle, die Schweden lieben und Geschichten, die erst nach und nach ihr Herz öffnen. 🤍


Das Buch verlose ich aktuell auch auf Instagram – schaut gern vorbei 🤍



2 Kommentare

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Gast
09. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Das klingt nach einem wunderbaren Sommerbuch. Deine Rezension spricht mich sehr an und macht Lust auf mehr, am liebsten würde ich sofort loslesen wollen.

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Gast
06. Mai
Mit 4 von 5 Sternen bewertet.

Danke für die schöne Rezension! Das Buch klingt wunderbar atmosphärisch und nach einer perfekten Sommerlektüre. Besonders die nordische Stimmung macht richtig Lust aufs Lesen.📚

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